BayernUp2Date 0039

 

 

Liebe Mehrheitsbevölkerung,

wir sind Rassisten. Die einen schamlos wie Thilo Sarrazin und Björn Höcke, die anderen, ohne es auch nur zu ahnen. Die sozialen Medien sind voller Hass und Hetze, voller Spinner, die sich im Internet radikalisiert haben. Doch die meisten Deutschen würden von sich sagen, dass sie nicht rassistisch sind. „Rassistisch, das sind die anderen: die Nazis“, heißt es auf jetzt.de. Wirklich? Wer Exit Racism von Tupoka Ogette liest oder noch besser hört, kann nur zu dem Schluss kommen: Wir alle sind Rassisten. Auch die    

Redaktion von BayernUp2Date

 

Inhalt:
+ Technik hilft
+ Die dunklen Ecken des Internet
+ Hass auf Knopfdruck
+ Jugend in Gefahr
+ Was tun?
+ Termine
+
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Technik hilft
Für Leute mit schrägen Ansichten ist das Internet ein Segen. Wo sonst könnten sie Verschwörungserzählungen und politisch Zweifelhaftes so ungestraft verbreiten? Vor allem Rechtsextremisten nutzen höchst professionell die neuesten Technologien, um ihre Ideologie unters Volk zu bringen und neue Mitglieder zu gewinnen. In Radikalisierungsmaschinen schildert die Extremismusforscherin Julia Ebner, wie sie das machen. Wer Ebner lieber zuhört und zusieht, findet ihren Vortrag auf Youtube. Klar ist: Technik macht Menschen nicht unbedingt radikal. Sie nützt aber denen sehr, die schon radikal sind. Gerne auch in den dunklen Ecken des Internet, wo niemand ihnen etwas anhaben kann.      

 
Die dunklen Ecken des Internet
Rechtsextremisten kommunizieren über Telegram und haben im Darknet Echokammern wie 8chan. Das Darknet schützt eben nicht nur vom Staat Verfolgte, Whistleblower und Journalisten. Es schützt auch Extremisten und Kriminelle. Hier kann jeder ungestraft den größten Mist verkünden und findet doch für jede noch so abwegige Idee Gleichgesinnte. Der Bericht Das Online-Ökosystem rechtsextremer Akteure beschreibt ab Seite 60 die einschlägigen Plattformen. Das System „könnte zur Radikalisierung von Personen … beitragen“, schließen die Verfasser*innen, und „könnte … der Verbreitung rechtsextremer Ideologien dienen“. Potenziell, wie sie eigens betonen. Man weiß es schlicht noch nicht. 
 
Hass auf Knopfdruck
Im Jahr 2017 hat das Londoner Institute for Strategic Dialogue zusammen mit der Initiative ichbinhier e.V. Hasskommentare auf Facebook untersucht. Hass auf Knopfdruck heißt die Studie, deren brisantestes Ergebnis lautet: Wenige bewirken viel. Fünf Prozent der aktiven Accounts waren für 50 Prozent der Hasskommentare verantwortlich. Eine kleine Gruppe – die Autor*innen sprechen von einem Scheinriesen –, die geschickt den Eindruck erweckt, die Mehrheit zu sein. „So finden Hasskampagnen ihren Weg in die Berichterstattung reichweitenstarker Medien einschließlich ihrer Kommentarspalten und können politische Entscheidungsprozesse beeinflussen.“ Bei all dem Hass ist tröstlich: Gegenrede hilft.
 
Jugend in Gefahr
Die Wissenschaft ist sich einig, dass Jugendliche sich leichter beeinflussen lassen als Erwachsene. Genauso einig ist sie sich, dass Studien dazu fehlen. Wo Rechtsextreme es früher mit der Schulhof-CD versuchten, stellen sie Jugendlichen heute im Internet nach. Rechtsextreme Onlinepropaganda in Zeiten von Corona hat jugendschutz.net untersucht. Doch man weiß noch nicht, ob und wie Propaganda im Internet wirkt. Selbst das Forschungsprojekt Radikalisierung im digitalen Zeitalter erkennt vorläufig nur Korrelationen zwischen der Internetnutzung und den extremistischen Ansichten Jugendlicher (S. 65). Dass Radikalisierung mit digitalen Medien besonders schnell geht, zeigt die Psychologin Pia Lamberty am Beispiel von Verschwörungserzählungen.
 
Was tun?
Psychologen der Universität Harvard haben einen Test entwickelt, der unbewusste Vorurteile aufdecken soll. Wer sich darauf einlässt, kommt zu überraschenden, womöglich unangenehmen Erkenntnissen. Und nun? Die ZEIT gibt „20 Empfehlungen, um weniger rassistisch zu sein“, der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch erklärt, was es mit politisch korrekter Sprache auf sich hat. Welche Wörter man verwenden sollte und welche besser nicht, haben die Neuen deutschen Medienmacher*innen in einem Glossar zusammengestellt. Empfehlenswert! 
 

Termine

  • Freitag 19. Juni 2020: „Digitaltag 2020“. Infos und Programm.
  • Montag 6. bis Freitag 10. Juli 2020, Bielefeld: „Big Data, Big Money. Kapital und Arbeit im digitalen Kapitalismus“. Infos und Anmeldung
  • Montag 10. bis Freitag 14. August 2020, Bielefeld: “Alexa, Siri, Cortana und Co. Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse im digitalen Wandel“. Infos und Anmeldung
  • Freitag 18. September 2020, 18 Uhr, Bielefeld und im Livestream: „Big Brother Awards – die Oscars für Datenkraken“. Infos

Ihre Hinweise auf Veranstaltungen zur Digitalisierung greifen wir gerne auf. Bitte per E-Mail an die Redaktion.
 

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